Laufentenküken

Wie alle Tierbabys, haben natürlich auch Laufentenküken diesen ganz besonderen Charm. Unser Plan war, dass wir ein Jahr warten, bis unsere Damen das erste mal brüten dürfen. Überall liest man, dass eine Laufente erst mal etwa 15 Eier sammelt, bis sie sich zum Brüten hinsetzt. Also dachten wir uns, ist ja kein Problem, wenn wir das Ei vom Vortag im Stall lassen. Da unsere Mädels zwischendurch ihre Eier im Garten verteilten, ließen wir also immer ein Ei im Stall, damit sie wussten, wo ihr Ei hin soll. Dies funktionierte auch wunderbar. Bis zu dem Zeitpunkt im Juli letzten Jahres, als Tina plötzlich am Vormittag verschwunden war. Wir fanden sie im Stall sitzend auf dem einen Ei… Es folgten Überlegungen, ob wir sie nun da sitzen lassen oder nicht, ob aus dem einen Ei überhaupt was werden kann,… 27 Tage später kam die Antwort.

 

Es nützt natürlich an dieser Stelle wenig, wenn ich darüber erzähle, wie schön es mit kleinen Laufentenküken ist, wie süß sie sind und wie flauschig sie sich anfühlen. Das kann sich wohl jeder vorstellen. Zu welchen Problemen es jedoch kommen kann, das konnten wir uns in dem zugetroffenen Ausmaß allerdings vorher auch nicht vorstellen. Daher werde ich an dieser Stelle in erster Linie auf die entstandenen Probleme eingehen.

Als wir abends nach Hause kamen, stellten wir eine kleine Wassertränke und ein Schälchen mit Kükenstarter für Enten und Gänse in den Stall. Für die ersten Tage als kleine Starthilfe, wobei die Sauerei im Stall bereits nach 2 Tagen deutlich spürbar war. Das Futter lag im ganzen Stall verteilt und vom Wasser will ich gar nicht reden :-). In diesem Jahr hatten wir uns dann etwas besser vorbereitet - dazu später mehr.


Das Erpel zu 90% ihren Nachwuchs nicht gerade mit offenen Armen empfangen, bestätigte sich später auch bei uns. Als wir am Abend nach Hause kamen, hatten Daisy und Henry das Geschehen am Nachmittag offenbar noch nicht bemerkt. Da der Plan, Mama und Küken in den neuen Übergangsstall umzusetzen, sich als ziemlich schwierig herausstellte, kamen nun erstmal Henry und Daisy in den "Babystall". Am Folgetag ließen wir die beiden wieder raus und schlossen die Voliere hinter ihnen. Somit blieb Tina mit Küki im sicheren Bereich. Als Küki am zweiten Tag zum ersten mal den Stall verlies, zeigte sich die Entscheidung zur Trennung als richtige Wahl. Nicht nur Henry randalierte am Volierendraht, auch Daisy war nicht mehr zu halten. Beide griffen den Kleinen an und direkt merkten wir, dass die gewählte Maschenweite der Voliere viel zu groß war. Henry hatte Küki bereits durch den Zaun am Hals gepackt. Also kurzerhand engmaschigeren Zaun gekauft und zusätzlich an die Voliere getackert.


Unser kleines Federbällchen zeigte uns allerdings jede kleine Schwachstelle in der Voliere, sodass wir schlussendlich die Voliere in der Hälfte teilten, sodass Tina und Küki sich auf der sicheren Hälfte aufhalten konnten. Während Daisy und Henry weiterhin tagsüber im Garten außerhalb der Voliere rumliefen, wollte nun auch Tina lieber zur Gruppe, anstatt sich um ihr Baby zu kümmern. Wenn wir also dabei waren, ließen wir Tina in den Garten und beschäftigten zwischenzeitlich Küki. Später versuchten wir, Daisy und Henry tagsüber mit in der Voliere zu lassen. Die Abtrennung der beiden Hälften erhöhten wir, sodass bis zum Dach nur noch etwa 40 cm Platz war. Aber selbst die Lücke reichte, dass Henry über die Abtrennung flog und sich auf Küki stürzte. Somit fingen wir dann an, eine zweite eigenständige Voliere zu bauen.

Als Küki 8 Wochen alt und groß genug war, um eine halbwegs realistische Chance gegen Henry und Daisy zu haben, unternahmen wir die ersten Versuche einer Zusammenführung. Schlussendlich half nur noch, Augen zu und durch. Nachts blieben sie allerdings weiterhin getrennt im neuen Stall. Irgendwann konnten wir alle zusammen lassen und es gab nur noch ab und zu Auseinandersetzungen. Obwohl die Konstellation der Geschlechterverteilung mit Damenüberschuss im Regelfall besser funktioniert, klappte es bei uns auch mit zwei Jungs und zwei Mädels. Allerdings auch nur bis zu diesem Jahr, als wir dann geplant und gewollt brüten ließen...

Nächstes Jahr, bessere Vorbereitung, neues Glück!?

Ein bisschen "vorgeschädigt" waren wir ja nun und hatten unsere ersten Erfahrungen gemacht, dass Küken zu haben nicht unbedingt ein Zuckerschlecken ist. Wir warteten bis Ende April, als wir Tina ihr Ei morgens nicht mehr aus dem Stall rausnahmen. Ein so später Schlupf wie bei Küki sollte es nicht noch mal werden, aber zu früh durften die Kleinen auch nicht zur Welt kommen, wegen den kalten Temperaturen. Wir beschrifteten nun die Eier mit Datum, damit wir die ältesten Eier aussortieren könnten, sobald sie sich zum Brüten hinsetzen würde. Naja die Rechnung machten wir ohne unsere brutwillige Tina, die sich bereits am dritten Tag auf ihre Eier setzte und das Legen auch fast direkt einstellte. Schlussendlich kamen noch drei Eier von Daisy hinzu.

Daisy verbrachte nun den ganzen Tag allein mit Henry und Küki, was die Jungs in vollem Maße ausnutzten. Nach fast zwei Wochen entschloss sie sich dann, auch brüten zu wollen, sodass die Jungs nun alleine übrig blieben. Wo sie sich zuvor noch ständig am Kloppen waren, endstand hier plötzlich eine super tolle Männerfreundschaft. Wir eröffneten für die beiden im alten Stall eine Jungs-WG, sodass die Mädchen im neuen Stall ihre Ruhe hatten. Die folgenden Wochen gab es eine idyllische Ruhe in unserem Garten.

Am 28. und 29. Bruttag schlüpften dann insgesamt fünf kleine Küken bei Tina; Tinas drei Eier und zwei von Daisy (Amy und Luna). Dieses Jahr sorgten wir dafür, dass das Trinken und Fressen nicht umgeworfen werden konnte. Zum Baden stellten wir eine Sandmuschel auf mit einer kleinen Badeinsel zum besseren Ein- und Ausstieg für die kleinen Federbällchen. Die Badeinsel besteht aus Styrodur mit Kunstrasen drauf.

Tina brütete weiter auf dem letzten verbliebenen Ei, während die Kleinen anfingen, die Welt und die abgetrennte Hälfte des Stalls zu erkunden. Sie hüpften auf der brütenden Tante Daisy rum, kuschelten mit ihr und unternahmen Ausflüge in der Voliere. Lief bis dahin also ganz gut. Am 25. Bruttag schlüpften dann innerhalb weniger Stunden vier Küken bei Daisy. Die Federbällchen hatten nun einen Altersunterschied von fast 2 1/2 Wochen und bereits einen beträchtlichen Größenunterschied.


Diese wundervoll herrschende Harmonie wurde dann kurzerhand zerschlagen, als Daisys Babys den Stall verließen und Tina sich sofort auf die Kleinen stürzte, sich eins packte und durch die Gegend schleuderte. Wir konnten zum Glück direkt eingreifen, sodass nichts passierte. Tinas Küken waren nun zumindest so groß, dass die alte Voliere nicht mehr so viele Gefahren bot. Für den 250 Liter Teich bastelten wir dann, wie zuvor für die Sandmuschel, eine kleine Badeinsel. Somit kam Tina mit ihren Teenies in die alte Voliere, Daisy mit ihren Minis blieb in der neuen Voliere.

Die folgende Zusammenführung zwischen Tinas Babys und unseren Jungs war total problemlos. Außer ein bisschen rumgezwicke war alles in Ordnung. Kein Vergleich zu Henrys Verhalten von letztem Jahr und kein Vergleich dazu, was noch mit Daisys Küken kommen sollte. Tina attackierte am Volierenzaun ununterbrochen die Kleinen. Tinas Kinder guckten sich bald die Sache ab und attackierten ebenso die Minis. Die Jungs hielten sich weiterhin aus allem raus. Immer im Wechsel durfte mal Daisy mit Kinder zu den Jungs in Garten, dann Tina mit Kindern. Im Urlaub versuchten wir dann eine Zummenführung aller Beteiligten. 1 1/2 Wochen standen wir bei Wind und Wetter im Garten zwischen den Gruppen um einzugreifen. Tatsächlich hatte sich der Aufwand gelohnt und wir konnten anschließend alle den ganzen Tag zusammen im Garten lassen.

Das ganze ging gut, bis Tina 3 1/2 Monate nach dem Schlupf ihrer Küken wieder anfing, Eier zu legen. Zwei von Daisys Küken waren gerade mal in ihr neues Zuhause gezogen. Plötzlich lag schlechte Laune in der Luft und alle attackierten die noch zwei verbliebenden Küken von Daisy. Es wurde so schlimm, dass wir Daisy und die zwei Kleinen wieder in die Voliere lassen mussten. Wir hatten dann an einer effektiven Lösung zur mobilen Abtrennung des Gartens gebastelt, bis sich dann doch noch eine nette Familie für Daisys zwei verbliebene Küken fand. Nach dem Auszug kehrte langsam Ruhe in die Gruppe ein.

 

Natürlich war die Zeit mit den Küken wunderschön. Aber angesichts der oben beschriebenen Problematiken, werden wir erst mal nicht brüten lassen. Mal ganz angesehen von dem Ärger, den man mit vermeintlichen Interessenten hat. Ich habe zwar nichts gegen Leute, die Laufenten lieber im Backofen sehen als im Garten, aber wir wollten nicht, dass unser Nachwuchs auf dem Teller landet.


Laufentenküken aufzuziehen bedeutet im Zweifel ein gewisses Platzangebot mit der Möglichkeit zum Trennen. Und wem auch nicht egal ist, ob sein Nachwuchs später als Festschmaus endet oder in nicht artgerechte Haltung kommt, der sollte vorher gut überlegen, wieviele Eier er seiner Ente zum Brüten lässt. Denn mit jedem Küken mehr steigt der Platzbedarf und die späteren Probleme, eine neue Familie für den Nachwuchs zu finden.

An dieser Stelle kann ich nur jedem ans Herz legen: Wer nicht unbedingt Küken haben möchte und wer eventuell Nachbarn mit einem schwachen Nervenkostüm hat, der sollte sich ganz klar eine reine Erpelgruppe zulegen. Die Jungs sind leiser, ruhiger und solang keine Mädels dabei sind, gibt es auch selten Konkurrenzkämpfe. Mädels sind ständig am quaken, meckern, rufen nach ihren Jungs und sind allgemein etwas launischer Natur - eigentlich nicht viel anders wie bei uns Menschen :-)